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Bremen sehenswertAnti-Kolonial-Denkmal "Elefant"

 

Verlässt man den Hauptbahnhof in Richtung Messehallen und wendet sich am Ende des Bahnhofsvorplatzes nach rechts, trifft man wenige Meter entfernt in einem von mehreren Straßen flankierten Grünstreifen auf ein Stück Afrika in der Hansestadt, zumindest symbolisch: das Denkmal „Elefant“. Wohl kein anderes Tier repräsentiert die Fauna des südlichen Afrikas so eindrucksvoll, wie die grauen Riesen.

Anti-Kolonional Denkmal der Elefant - Bremen sehenswert

Der Elefant auf seinem Sockel in dem sich ein Raum befindet im Nelson-Mandela-Park

Aber was hat das mit Bremen zu tun? Nach der Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 (tatsächlich erstreckte sich die Gründungsphase über einen längeren Zeitraum) und Proklamation des preußischen Königs Wilhem I. zum Deutschen Kaiser, stieg Deutschland zu einer Großmacht in Europa auf. Unter dem Motto „Ein Platz an der Sonne“ wollte das Kaiserreich bald teilhaben an der Verteilung des verbliebenen vermeintlichen Niemandslandes in der Welt. Nicht ganz konfliktfrei wuchs das Deutsche Reich nach 1884 unter dem Reichskanzler Otto von Bismarck neben anderen Staaten Europas wie England, Frankreich und Russland flächenmäßig zur viertgrößten Kolonialmacht. Unter den in Besitz genommenen Gebieten lagen weite Teile in Afrika wie das heutige Togo oder Kamerun, Deutsch-Ostafrika, das heute Tansania und Teilen angrenzender Staaten entspricht und Deutsch-Südwestafrika, heute Namibia. Bismarck sprach nicht von Kolonien, sondern von Schutzgebieten. Das dort vor allem deutsche Handels- und Machtinteressen auch gegen die ursprünglichen Bewohner der Regionen geschützt wurden, zeigt der Völkermord an dem Volk der Herero in Deutsch-Südwestafrika im Jahre 1904. Generalleutnant Lothar von Trotha befehligte die extra verstärkte deutsche rund 15.000 Mann starke Schutztruppe, die unter den Herero ein Blutbad anrichteten. Bis zu 60.000 Menschen des Hirtenvolkes sollen dem Gemetzel zum Opfer gefallen sein, genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. Erst 2015 sprach eine deutsche Regierung in diesem Zusammenhang von Völkermord, freilich ohne damit wie auch immer geartete Verpflichtungen anzuerkennen.

Es war der Bremer Tabakhändler Adolf Lüderitz, der 1883 in der kleinen, von dem portugiesischen Seefahrer Bartolomeu Diaz im 15. Jh. entdeckten und so benannten Bucht Angra Pequena im heutigen Namibia landete und 1884 das umliegende Land erwarb, das fortan unter dem Schutz des Deutschen Reiches stand Allerdings erwies sich die Gegend entgegen Lüderitz’ Erwartungen nicht als rohstoffreich, weshalb er seinen Erwerb aus wirtschaftlicher Not bereits ein Jahr später an die Deutsche Kolonialgesellschaft für Südwestafrika verkaufte. Im darauf folgenden Jahr starb er und die Bucht wurde ihm zu Ehren in Lüderitzbucht umbenannt. Der Name ist bis heute geblieben, wie die 1883 gegründete Hafenstadt Lüderitz. Lüderitz war nicht nur erster Deutscher, der Land im heutigen Namibia besaß, er schuf damit die Keimzelle der Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Bremen ist spätestens seit der Hansezeit ein Tor zur Welt über den Seeweg und so waren es auch andere Bremer Kaufleute, die in den Kolonialwarenhandel involviert waren und die Häfen der Stadt, die Ankunfts- und Abfahrtort waren.

Deutschland verlor nicht nur den selbst entfachten Ersten Weltkrieg, sondern 1919 auch alle Kolonien. Doch manch einer empfand die Kapitulation und die teils harten Bedingungen der Siegermächte als Schmach sowie den Verlust der Kolonien als Enteignung. Man kann das Deutsche Kolonial-Ehrenmal nach einem Entwurf des Münchener Bildhauers Fritz Behn, eben jenen Elefanten, als Ausdruck dessen verstehen. Auftraggeber des Bausteinbaus war die Deutsche Kolonialgesellschaft, die das Denkmal am 6. Juli 1932 einweihte. In der traditionell eher weltoffenen Hansestadt war der Bau allerdings bereits damals umstritten, stand er doch nicht nur zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg in den ehemals deutschen Kolonien Gefallenen, sondern auch für die Unterdrückung und Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung eben dort. Wie sehr sich dann nur ein Jahr später ab 1933 rassistisches Gedankengut und Großmachtfantasien, die die ehemaligen Kolonien mit einschloss, bei einem nicht unerheblichen Teil der deutschen Bevölkerung Bahn brachen und zu Schrecken, Terror und Tod führten, sollte hinlänglich bekannt sein.

Die afrikanischen Staaten haben sich, teils mit hohem Blutzoll, vom Joch der Kolonialherren befreit, doch viele Probleme sind geblieben und haben ihre Ursachen in jener Zeit der Unterdrückung. Aber Afrika scheint auf einem guten Weg, auch dank deutscher Hilfe.

Der Elefant steht seit Restaurationsarbeiten und der Umwidmung 1989 als Anti-Kolonial-Denkmal für Gleichheit und Gerechtigkeit und als Mahnmal gegen Rassismus, Unterdrückung und Ausbeutung - ein Teil dunkler deutscher Geschichte. Fast wäre der Bau allerdings zu einem Zeichen des Verfalls geworden, denn 2016 waren die Schäden an der Bausubstanz so groß, dass gehandelt werden musste. Schadhafte Steine und Fugenmörtel mussten entfernt und erneuert werden, das ganze Denkmal von Grünbewuchs gründlich gereinigt und vor eindringendem Wasser für die Zukunft geschützt. Die verbauten Moorbrandziegel mussten in einem speziellen Herstellungsprozess extra formgerecht angefertigt werden, was die Kosten von 180.000 Euro für die Sanierung erhöht hat.

Nach mehrmonatigen Arbeiten seit August des Vorjahres konnte das Denkmal im Februar 2017 am seit 2014 so genannten Nelson-Mandela-Platz feierlich enthüllt werden.

 

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Weitere Informationen

„Der Elefant!“ e.V.
Wachmannstrasse 39
28209 Bremen

 

Übersee-Museum

1896 öffnete das heutige Übersee-Museum unter dem Namen „Städtisches Museum für Natur-, Völker- und Handelskunde“ erstmals seine Tore. Die gezeigten Exponate stammten zunächst aus den „Städtischen Sammlungen für Naturgeschichte und Ethnographie“ die in Teilen als „Handels- und Kolonialausstellung“ auf der „Nordwestdeutschen Gewerbe- und Industrieausstellung“ im Jahre 1890 mit viel Erfolg gezeigt wurden. Seit der Gründung haben sich die Konzeptionen mehrmals gewandelt, bis hin zu einer stärkeren museumspädagogischen Ausrichtung, die bis heute Bestand hat.
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Übersee-Museum - Bremen sehenswert

 

Bürgerpark

Eine grüne Oase in Innenstadtnähe und viel genutztes Naherholungsgebiet ist der Bürgerpark. Die ausgedehnte Anlage, die sich an die heutige Bürgerweide hinter dem Bahnhof anschließt, ist ein von den Bürgern selbst initiierter Park. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte man bereits die alten Wehranlagen der Stadt abgebaut und die Wallanlagen in eine Parklandschaft verwandelt. Doch anlässlich der rasant wachsenden Stadt im Laufe des Jahrhunderts wurde der Ruf nach mehr Grünräumen immer lauter.
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Melchersbrücke im Bürgerpark - Bremen sehenswert