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Bremen sehenswertEiswette

 

Der Wettgewinn, ein „vaterländischer brauner Kohl mit Zubehör“, war für die 18 befreundeten Männer aus gutem Haus bei einem Einsatz von einem Taler pro Kopf auch im Jahre 1828 wohl kein wirklich ernst zu nehmender Gewinn. Dass die Herren - fast alle Kaufleute - mit ihrer Wette, ob die Weser bis zur Zeit vor Morgengrauen am Tag des 4. Januar des darauffolgenden Jahres zugefroren sein wird oder immer noch wie gewohnt gen Nordsee fließt, eine noch bis in das nächste Jahrtausend andauernde Tradition auslösen würden, konnte keiner der Beteiligten ahnen. Ob die Weser an jenem 4. Januar 1829 nun tatsächlich zugefroren war überliefert die Historie nicht, wohl aber dass der Kohl in munterer Runde am Tag der Eiswettprobe gemeinsam verspeist wurde und aus einer feucht-fröhlichen Laune heraus beschlossen wurde, auch für das folgende Jahr zu wetten, ob an jenem frühen Januarmorgen “de Werser steiht or geiht“, also die Weser steht oder geht.

Heute fällt der Tag die Eiswette immer auf den 6. Januar, den Dreikönigstag, und findet auch nicht morgens vor Sonnenaufgang, sondern um Punkt 12 Uhr mittags statt. Dann versammeln sich am Punkendeich am Osterdeich in Höhe der Sielwallfähre historisch zumeist in schwarz gekleidete Herren und eine große Zahl an Zuschauern. Dieses Schauspiel geht allerdings auf einen Brauch zurück, der erst 1928 anlässlich des hundertjährigen Jubiläums eingeführt wurde, aber seither Bestand hat. So geht es darum, ob ein 99 Pfund schwerer „Schneider“ mit spitzem Bart im altertümlichen Frack, mit Zylinder auf dem Kopf und heißem Bügeleisen in der Hand die zugefrorene Weser trocken Fußes überqueren kann. Mit anwesend sind der Notarius publicus, der Medicus publikus, der Präsident der Eiswette sowie das Präsidium und die Novizen. Natürlich dürfen die Heiligen Drei Könige oder auch Weisen aus dem Morgenland am Dreikönigstag nicht fehlen.

Zum Ritual gehört, dass der Schneider, der im Laufe der Prozedur mit einer alten Dezimalwaage auch gewogen wird, zu spät kommt und vor der Überquerung des Flusses sehr zur Erheiterung der Zuschauer über gesellschaftliche und politische Ereignisse aus den Monaten seit der letzten Eiswette spottet. Dabei führt seine aufmüpfige Haltung stets zu Wortgefechten zwischen ihm sowie dem Eiswettpräsidenten und dem stilecht mit gelockter Perücke auftretenden Notarius.

Es tut der Veranstaltung keinen Abbruch, dass die Weser seit der von dem bremischen Oberbaudirektor Ludwig Franzius geplanten und in den Jahren ab 1883 umgesetzten weitreichenden Korrektur des Flusses in der Vergangenheit nur noch selten zufror und anlässlich der viel diskutierten Klimaerwärmung wohl in Zukunft gar nicht mehr damit zu rechnen ist. Dass der Schneider trotzdem trocken und wohlbehalten an das andere Ufer gelangt, ist der DGzRS zu verdanken, die in Bremen ihren Sitz hat. Sie ist seit dem Jubiläum 1928 bei der Eiswette ebenfalls mit im Boot und mit dem Boot dabei, denn es ist das Tochterboot eines in der Flussmitte wartenden Seenotkreuzers der Gesellschaft, das den Schneider schließlich erfolgreich übersetzt.

Damit ist allerdings nur die Eiswettprobe beendet, erst am dritten Samstag im Januar findet die Eiswette mit dem Eiswettfest ihren endgültigen Abschluss. Wie am Punkendeich folgt auch diese Veranstaltung einem Ritual mit festem Ablauf und Regelwerk. Rund 800 Herren finden sich dann zum gemeinsamen Mehrgängemenü an Eisschollen ähnlichen runden Tischen ein. Die doch erhebliche Zahl der Teilnehmer kommt überwiegend durch die etwa 300 Eiswett-Genossen zustande, die jeweils einen Gast mitbringen dürfen. Hinzu kommen die Mitglieder des Präsidiums sowie die Novizen und nicht zuletzt auf Einladung des Präsidiums die Ehrengäste. Abgesehen von den Mitgliedern des Präsidiums und einigen wenigen anderen, die im Frack erscheinen, ist der Smoking Pflicht.

Vor den Teilnehmern liegen von 14:30 Uhr an acht Stunden volles Programm. An Kulinarischem werden in mehreren Gängen lokale Spezialitäten serviert wie Hochzeitssuppe, Kohl und Pinkel, Fisch sowie Rote Grütze mit Vanillesoße, dazu werden Getränke wie Eiswettwein in rot oder weiß gereicht. Zwischen den Gängen werden Reden gehalten, Ehrungen vollzogen und mehr. Ein gewichtiges „mehr“ ist der Aufruf des Schatzmeisters zur Sammlung für die DGzRS, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die sich ausschließlich über Spenden finanziert. Dank der illustren Gesellschaft mit Rang und Namen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft kamen bei den Eiswettfesten in den letzten Jahren jeweils Rekordsummen von über 400.000 Euro zusammen.

 

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Weitere Informationen

http://eiswette.de

 

Rundtour: Von der Innenstadt zum Weserwehr & zurück

Von der Tiefer bzw. dem Altenwall, dem Weseruferabschnitt vor dem Schnoor und schräg gegenüber der DGzRS, dem Planetarium und der Sternwarte am anderen Ufer, führt ein schöner Weg für Fußgängerinnen und Fußgänger und Radfahrerinnen und Radfahrer direkt am Wasser entlang flussaufwärts Richtung Weserwehr. Nach Überqueren des Weserwehrs führt der Rückweg der Tour über den Stadtwerder.
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Sielwallfähre am Osterdeich - Bremen sehenswert

 

Grühnkohl & Pinkel

Alljährlich zwischen Oktober und Februar ist es soweit: Grünkohlzeit. In der Regel Ende Oktober/Anfang November sind die meist grünen, palmenartigen und je nach Sorte bis zu 180 cm hohen vitamin- und mineralstoffhaltigen Gewächse, die in Bremen auch häufig in den Beeten von Kleingärten anzutreffen sind, reif zur Ernte. Da die von Stängeln und Strünken befreiten gekräuselten Blätter des Kreuzblütengewächses mal etwas brauner oder grüner sind bzw. sich beim Kochen mit viel Fantasie ins Bräunliche verfärben, sagen viele Bremerinnen und Bremer zum Grünkohl auch Braunkohl.
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Grünkohl mit Pinkel tischfertig - Bremen sehenswert